Robert Bodnar

 

Fotografie und Video sind die bevorzugten Medien von Robert Bodnar, der an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Eva Schlegel, Matthias Herrmann und Harun Farocki studiert hat. Seit etwa vier Jahren interessiert sich der in Prag geborene Künstler für Himmelsmechanik. Seinen Arbeiten gehen intensive Beschäftigungen mit astronomischen Phänomenen, physikalischen, naturwissenschaftlichen Theorien und der Beobachtung aktueller Forschung in diesen Wissenschaftsbereichen voraus.

In seiner medienreflexiven Kunst lotet Bodnar stets die Grenzbereiche von Film und Fotografie aus und versucht, die Genres um zusätzliche Ebenen zu erweitern. Wissend, dass Sonnenlicht als Primärquelle Fotografie erst möglich macht und fasziniert von dem Ereignis der Überlagerung von Himmelskörpern, entstand 2016 eine Serie von Fotogrammen, die fiktive aber dennoch realistische Momente von verschiedenartigen Überlagerungen von Himmelskörpern darstellen. 2015 eine Fotoserie, die Momente der Sonnenfinsternis auf der Nordhalbkugel unserer Erde dokumentiert.

In der neuen Arbeit “Himmelsgewölbe“ geht es ebenfalls um die Aufzeichnung himmelsmechanischer Phänomene. Bodnar entwickelt analog zur wissenschaftlichen Vorgehensweise in der Astronomie polare Koordinatensysteme und zeichnet mit Linien Sonnenverläufe nach. Fast scheint es so, dass der Künstler die unvorstellbare Energie von Planetenbewegungen und Sternensystemen aus ihrem chaotischen Urzustand in einen Zustand künstlerischer Ordnung zu transformieren versucht.

Die besondere Materialität dieser neuen Arbeiten besteht in der Verwendung von lichtempfindlichem Material welches eigentlich für die Elektronik-Industrie entwickelt wurde. Das fotografische Bild wird in einem speziellen Verfahren in dünne Kupferschichten geätzt und entfaltet im Kontrast zu mattem Schwarz des Hintergrunds ein Spiel aus metallischen Reflexionen welche das Bild selbst ausbilden. Das Bild scheint aus sich selbst heraus zu leuchten.

Hartwig Knack

 

 

Marek Božuk, Robert Bodnar
Database Photography

Wenn man so will, kennt die Geschichte der Photographie einige Revolutionen – von der ursprünglichen Daguerreotypie über Muybridge bis zur Kompaktbildkamera, oder unlängst im 20. Jhd. das Eindringen des Digitalen in die Sphäre der Photographie. Und nicht zuletzt erlebt die „digitale Photographie“ aktuellerweise Emanzipationsversuche in Form einer computational oder eben database photography. Diesem Gedankenstrang folgend, bewirken die jüngsten technischen Verschiebungen, wo bis dahin die digitale Photographie die analoge „bloß“ zu imitieren trachtete, strukturelle Neueinschreibungen photographischer Theoriematerie.
So wie ehemals das Negativ eine neue epistemische Entität auf die Bühne dessoziokulturellen Geschehens brachte, so kann die Bilddatenbank anstelle dessen als eine mögliche epistemische Einheit eines reality-mappings mittels numerischen Werten verstanden werden. Begriffe wie das liquide Bild oder der indecisive moment tauchen auf, und schlussendlich lässt sich das stereotypische Verhältnis zwischen „analoger und digitaler“ Photographie neu deuten, insoweit es zu einer Umkehrung des Primär- und Sekundärraumes kommt.

Robert Bodnar wurde 1980 in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren. Während seiner Ausbildung auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien (Herrmann, Farocki) begann er sich mit fotografischen Grenzbereichen zu anderen Disziplinen wie Computergrafik, Film, Video, Installation und Performance zu beschäftigen. Er arbeitet als Fotograf, Künstler und art based researcher in Wien und Niederösterreich.

Marek Božuk, geb. 1981 in Trenèin der ehemaligen Tschechoslowakei, lebt und arbeitet derzeit in Wien, wo er das Ende seiner Philosophieausbildung in Medientheorie unter Claus Pias genoss. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Pataphysik des Frühwerks Jean Baudrillards, sowie den Spuren, welche dieses Unterfangen zu Tage fördert.