Anna Khodorkovskaya

 

Wir alle versuchen, den lästigen „Mist“ des Alltags loszuwerden: Werbeprospekte, billige Zeitschriften, gebrauchte Verpackungen und alte, wertlose Dinge. Diese werden zwar von der Gesellschaft selbst produziert, werden aber als physischer und visueller Müll empfunden. Sie schreien danach, weggeworfen und vergessen zu werden.

Für die Künstlerin Anna Khodorkovskaya findet sich im Abfall des Alltags manchmal Lohnendes. Sie sieht sich diese „Bruchstücke“, diese Fragemente näher an. Haben sie abgesehen von ihrer offensichtlichen Bedeutung noch eine andere Aussage? Gewöhnlich wird angenommen, dass Kunst und alltägliche Gegenstände verschiedenen Ordnungen angehören, und doch durch eine gemeinsame Distinktion verbunden sind. Kunst wird nicht einfach dadurch Teil des Alltags, dass über sie reflektiert wird, und das Einbeziehen von Kunst in den Alltag macht diesen nicht zu einer künstlerischen Praxis.

Dieser Abstand zwischen den Künsten und dem Alltag ist der Ausgangspunkt dieser Arbeiten. Die Reduktion der semantischen Funktion von Materialien, deren ursprünglicher Zweck es war, als Informationsmedien zu dienen, ermöglicht es, die Aufmerksamkeit auf ihre visuellen und emotionalen Komponenten zu fokussieren. Diese Bilder, die manchmal noch erkennbar, manchmal zu völlig abstrakten Kompositionen ausgestaltet sind, funktionieren in der Sprache unserer Alltagsästhetik und lösen die Unterscheidung zwischen Kunst und Alltag auf, werden dadurch zu einem Weder-Noch, bilden den Horizont eines Augenblicks der Neutralität, der auf das Dazwischen seiner konstituierenden Elemente angewiesen ist und sich doch deutlich von seinen Komponenten unterscheidet.