Leo Kandl

 

Leo Kandl ist  Meister des Augenblicks, der von der Reportagefotografie ausgehend zum Verfechter einer Kunst avancierte, die sich der Wirklichkeit mit den Mitteln einer frontalen, uninszenierten Fotografie anzunähern sucht.

Hier präsentiert sich der Fotograf mit einer Auswahl aus seinem umfangreichen fotografischen Werk zum Thema Kleidung.

Die Kleidung ist immer etwas Intimes, die zweite Haut des Menschen, Ausdruck eines sozialen aber auch persönlichen Selbstverständnisses, "Kleidung", so bemerkt Leo Kandl, "trägt eine doppelte Gerichtetheit in sich, die des nach außen orientierten Öffentlichen und die des Privaten."
Kandl photographiert Objekte, die er beim Trödler findet oder die man ihm zuträgt.

Für Leo Kandl steht jedenfalls außer Frage, dass das Gewand dem Menschen zum Spiel mit Identitäten dient. Die Kleidungsstücke in seinen Fotografien übernehmen die Rolle der Träger und mutieren zu eigenen Gegenständen mit Zeichencharakter und skulpturaler Qualität. Kandl zeigt also nicht bekleidete Körper  sondern Hüllen, die sich zu einer eigenen Form emanzipiert haben und Leibhaftigkeit angenommen haben. In dieser „Wesensdifferenz“ ist Raum für Interpretation und Assoziation: am Unterschied von Wahrnehmung und Imagination hat der Philosoph Hans Blumenberg seine Ding-Phänomenologie festgemacht: „Zu den Sachen und zurück“ hatte er seine Publikation der 1980er Jahre genannt und der Kunst eine Sphäre des Nicht-Anschaulichen der Dinge attestiert. Diese gehören auch zum Reich des Phantastischen, der Unsicherheit, der Mutationen und der Veränderungen. Veronika Veit und Leo Kandl arbeiten in diesen Zwischenbereichen und sind dem Unwillkürlichen, Unvermuteten solcher Wandlungsprozesse von Dingen und auf der Spur.